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Der Zehnagel des Teufels
John McCabe

Paläontologen können die Geschichte der Austern zurück bis in die Triaszeit, der ältesten Epoche des Erdmittelalters, verfolgen. Der Trias begann vor 248 und endete vor 213 Millionen Jahren. Die Austern waren zahlreich in den damaligen Weltmeeren vertreten. Im idyllischen Sainte-Croix-du-Mont (Bordeaux-Region) kann man heute tiefe Höhlen besichtigen, die zu einer mehreren Meter dicken Bodenschicht aus Austernfossilien führen (als "Le banc d'huîtres de Sainte Croix du Mont" bezeichnet).

Neuzeitliche Fossiliensammler sind heute oft nicht mehr unbedingt übermäßig von der Entdeckung eines versteinerten Exemplars der (den Austern zugeordneten Unterfamilie) Gryphaeinae begeistert. Viele Austernarten aus dieser Unterfamilie kamen im Zeitraum des oberen Trias bzw. Carnian (227 Ma) bis oberen Jura bzw. Kimmeridgian (151 Ma) vor. Erstmals (vermutlich) in England entdeckt, ragen sie in einigen Gegenden manchmal nach einem starken Regenguss aus dem Boden. Ihre Form erinnerte die Einheimischen damals an die ungepflegten großen Zehnägel des Teufels.

Der abgebildete "Zehnagel des Teufels" stammt übrigens nicht aus England, sondern aus dem fernen US-Bundesstaat Texas. Die Bezeichnung lässt also nicht auf eine bestimmte Austernart schliessen. In England handelte es sich um die Austernart Gryphaea arcuata. Der "Zehnagel" aus Texas wiederum ist eine andere Austernart mit Namen Texigryphaea mucronata. Es gibt also mehrere Austern-Fossilien, welche vom Aussehen her diesen griffige Bezeichnung tragen können. Folglich ist die Bezeichnung zwar amüsant, jedoch von einer ernsthaften Fossilienstudie her völlig belanglos.

Die Studie der Austern der Urzeit ist enorm komplex. Bedeutend ist die Familie der sogenannten Gryphaeidae. Diese Familie beinhaltet drei Unterfamilien: Gryphaeinae, Pycnodonteinae und Exogyrinae.

Die Gattungen der Gryphaeinae:
o Gryphaea
o Catinula
o Liostrea
o Pernostrea
o Praexogyra

Die Gattungen der Pycnodonteinae:
o Pycnodonte
o Hyotissa
o Neopycnodonte
o Texigryphaea

Die Gattungen der Exogyrinae:
o Exogyra
o Aetostreon
o Amphidonte
o Ceratostreon
o Ilymatogyra
o Nanogyra
o Planospirites
o Rhynchostreon
o Vultogryphaea

In jeder dieser Gattungen befinden sich die entsprechenden Austernarten (wie z.B. die obig erwähnten zwei 'Zehnägel' Gryphaea arcuata unter den Gryphaeinae und Texigryphaea mucronata unter den Pycnodonteinae).

Manche der Austernfossilien sind winzig. Andere wiederum sind beeindruckend groß. Manche sind für den Fossiliensammler im Handel sehr günstig zu haben. Beispielsweise kostet ein Exemplar der beiden 'Zehnägel' ca. 1-2 Euros pro Stück. Andere Austernfossilien sind jedoch sehr selten und können, zusätzlich abhängig von ihrem Zustand, hunderte Euro pro Stück kosten.

Evolutionäres Erfolgsrezept: Viel Nachwuchs und die Anpassungsfähigkeit!
Das evolutionäre Erfolgsrezept der Austern hat seit der Urzeit viel mit Nummern zu tun. So kann eine einzige Europäische Auster ("Ostrea edulis") beispielsweise über 1 Millionen Eier produzieren. Im Gegensatz zu den meisten anderen Muschelarten, welche getrennt geschlechtlich sind, ist sie obendrein ein Zwitter (bzw. Hermaphrodit). Sind nicht genug Männchen in der Kolonie vorhanden, dann findet ein ausgleichender Geschlechterwechsel bei der entsprechenden Anzahl der Europäischen Austern statt. Bei kühlem Wasser wechseln sie ihr Geschlecht nur einmal im Jahr. Ist es hingegen wärmer, dann können sie sogar mehrfach im Jahr das Geschlecht wechseln. Es treten mehr weibliche Austern auf, wenn die vorhandene Nahrung (Plankton) im umgebenden Wasser reichhaltig ist.

Dank ihrer großen Anpassungsfähigkeit konnte sich die Europäische Auster im Laufe der Evolution trotz vieler natürlicher Feinde und zahlreicher klimatischer Wechsel erfolgreich über unzählige Jahrtausende behaupten. Ihrem neuzeitlichen größten Feind ist sie jedoch nicht gewachsen: Dem Menschen. Die einstmals üppigen Kolonien der Europäischen Auster im deutschen Wattenmeer gibt es schon seit über hundert Jahren nicht mehr. Lediglich ihr Handelswert als kulinarische Superlative gewährleistet ihren Fortbestand in den heutigen Kultivierungsparks. Der Amerikanischen Auster (Crassostrea virginica) erging es kaum anders. Weit entfernt von europäischen und amerikanischen Gewässern entwickelte die Natur hingegen zur gleichen Zeit einen wahren Kraftprotz: Die Pazifische Auster (Crassostrea gigas). Mit dieser Austernart schlug die Menschheit letztlich der geospezifischen Evolution ein Schnippchen. Aufgrund ihrer herausragenden kulinarischen Qualität stellt diese Austernart heute nicht nur in Asien, sondern auch in Europa sowie den USA einen wahren Löwenanteil der Austernproduktion dar. Aber mehr dazu später.

Obwohl in den Weltmeeren über 100 unterschiedliche Austernarten vorkommen und sich die grundsätzliche Anatomie aller Austern bis heute kaum nennenswert verändert hat, zeigten sich im Laufe der Evolution mitunter beachtliche Unterschiede. Manche Arten wurden größer, andere wiederum entwickelten komplexere Scharniere für die beiden Schalenhälften. Wieder andere Arten ergänzten ihre ohnehin bemerkenswerten Schalenfestungen mit regelrechten Spießen, die so manchem Räuber schnell lehren sollten, dass der Genuss einer "einfacheren" Muschelart vielleicht sinnvoller wäre.

Unerwünschte Fremdkörper, die ins Innere der Auster eindringen, werden sofort mit einer Schalenbildungssubstanz umhüllt. Dies ist ein natürlicher Abwehrmechanismus aller Austern. Demnach können alle Austern seit jeher auch Perlen produzieren. Der kulinarischen Austerngruppe gelingen jedoch nur unansehnliche runde "Steinchen". Dafür schmecken sie jedoch wunderbar. Andere Austernarten wiederum beschichten die Fremdkörper mit einem schillernden Belag aus Perlmutt, welcher mitunter eine betörend schöne und zugleich kostbare Perle hervorbringen kann. Dafür hält sich Ihr Geschmack stark in Grenzen - zumindest für uns Menschen.

Im Lauf der letzten Jahrhunderte versuchten Wissenschaftler den mächtigen Stamm der sog. Molluske (Weichtiere bzw. wirbellose Tiere) sachgerecht zu sortieren. Zu diesem Stamm gehören die Gartenschnecken genau so wie die bis zu 20 m langen Tintenfische in der weitgehend unerforschten Tiefe der Weltmeere. Die nahezu zahllosen Muschelarten werden der Klasse der Bivalvia zugeordnet. Dort sind auch die Austernarten zu finden.

Wissenschaftler haben sich zwar viel Mühe gegeben die vielen Austernarten sachgerecht zu ordnen, gemeinhin interessieren sich die Menschen jedoch in erster Linie für zwei Austernfamilien: Die Ostreidae (auch als "echte Auster" bezeichnet), weil bestimmte Unterfamilien aus dieser Gruppe hervorragend schmecken, und die (entfernt verwandten) Pteriidae, weil Unterfamilien dieser Gruppe besonders schöne Perlen hervorbringen können. Darüber hinaus stechen manch andere Austerfamilien aufgrund der Schönheit ihrer Schale hervor, welche vielerorts zu ansehnlichen Schmuckstücken verarbeitet wird.

An dieser Stelle scheidet sich jedoch der Weg der Austerngeschichte. Während die kulinarischen Austern bereits seit Anbeginn der Menschheit von höchster Wichtigkeit gewesen sein dürften, begann die nicht weniger umfangreiche Historie der Perlaustern erst um das 4. Jahrtausend vor Christi. Sie bedarf einer eigenen Besprechung im Perlausternbereich bei Austern.com.

Links Texigryphaea mucronata. Bei den Schalen rechts handelt es sich um die winzige Austernart Ilymatogyra arietina. Fundort beider Fossilienexemplare: Texas

Ein ungewöhnlich großes Austernfossil. Augenscheinlich handelt es sich um die Amerikanische Auster (Crassostrea virginica). Fundort dieses Fossilienexemplars: Florida (St. Johns River, Duval County).

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Die Geschichte der Austernkultivierung des 20. Jahrhunderts bis heute wie auch ihre Pioniere können Sie hier einsehen: Austernkultivierung

Die amerikanische Austerngeschichte können Sie unter USA einsehen.

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