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Leckere Steine der Steinzeit
John McCabe

Der berühmte Autor und Satiriker Jonathan Swift schrieb im 18. Jahrhundert: "Ein mutiger Mann war es, welcher die erste Auster aß". Austern sind steinig, kalt, nass, schuppig, kantig, unattraktiv weißlich bis graugrün gefärbt und mit den bloßen Händen unbezwingbar. Sie machen kaum von Natur aus einen "appetitanregenden" Eindruck. Man könnte berechtigterweise fragen, was die Menschheit ursprünglich wohl bewogen hat, diesen unansehnlichen Kreaturen auch nur einen zweiten Blick zu gewähren, geschweige denn sie als Delikatesse zu huldigen. Sicher wurde die doch sehr waghalsig anmutende Entscheidung zum Verzehr der ersten Auster nicht aufgrund des Verlangens nach neuen kulinarischen Superlativen getroffen, sondern dürfte wohl eher im schlichten Hunger prähistorischen Völker begründet gewesen sein.

Der erste, eher nüchterne Eindruck jener Menschen dürfte jedoch durch die genaue Beobachtung anderer Zeitgenossen in der Tierwelt geprägt worden sein. Der pfiffige Seeotter beispielsweise war längst ein "Austern-Gourmet". Er tauchte auf den Grund, schnappte sich eine Auster und einen flachen Stein. Anschließend zerbrach er gemütlich rücklings auf der Wasseroberfläche treibend die Auster mit dem Stein auf seinem Bauch und schlürfte genüsslich das nunmehr entblößte Weichtier. Wer bei dieser Lehrstunde des Seeotters damals nicht aufgepasst hat, der durfte von den Möwen lernen. Sie packten diese "Steine" mit dem Schnabel, flogen damit hoch über geeignetes Gestein und ließen sie einfach fallen. Im Anschluss konnten sie das köstliche Weichtier genüsslich aus der zerschellten Schale picken.
Wissenschaftliche Untersuchungen des Küchenabfalls prähistorischer Menschen in den Küstengebieten dieser Welt bestätigen, dass Austern schon seit vielen Jahrtausenden als begehrtes Nahrungsmittel angesehen werden, und dies schon seit der Steinzeit.
Viele Ausgrabungen in Europa und Nordamerika ergeben inzwischen, dass sie spätestens seit der Jungsteinzeit bzw. dem Neolithikum von der "prähistorischen Speisekarte" vieler der urzeitlichen Völker nicht mehr wegzudenken waren (Neolithikum: ab etwa 8.000 bis etwa 5.000 v. Chr., in manchen Gebieten Amerikas bis teilweise 2.500 v. Chr.). An der Ostsee gab es z.B. bereits vor 6.000 Jahren ganzjährig bewohnte Siedlungen, welche diese Meeresfrüchte sehr schätzten. Auch die "Müllhalden" skandinavischer Völker der Steinzeit zeugen von einer Vorliebe für Austern. Auch auf dem amerikanischen Kontinent bestätigen Funde großer Abfallberge, dass die Indianer im 4. Jahrtausend v. Chr. ebenfalls bereits große Austern-Fans waren. Hier wurden die Austern bereits gekocht und es ist sogar von einem "prähistorischen Austerneintopf" die Rede. Warum kochten die amerikanischen Steinzeitmenschen ihre Austern und ihre europäischen Zeitgenossen nicht? Waren die Urindianer vielleicht fortschrittlicher? Vermutlich nicht:

Die Amerikanische Auster (Crassostrea virginica) wird größer als die Europäische Auster (Ostrea-edulis) und kann sich beim manuellen Öffnen als wesentlich "kämpferischer" erweisen als ihre europäische Verwandte. Vielleicht können wir darin auch die Erklärung finden, warum die prähistorischen Indianer diese "leckeren Steine der Steinzeit" vor dem Verzehr der Glut ihrer Lagerfeuer aussetzten während ihre damaligen Zeitgenossen die köstlichen kleinen Austern weitgehend lieber roh schlürften. Die Glut des Lagerfeuers öffnet nämlich binnen Minuten auch die widerspenstigste Amerikanische Auster. Die Amerikanische Auster (wie auch die Pazifische bzw. Japanische) Auster wirkt vom Design Ihrer Schale fast wie ein "Töpfchen mit Deckel". Dies ist auch ein Grund, warum gegrillte Austern mit etwas Knoblauchbutter noch heute in den USA hoch beliebt sind. Nach nur wenigen Minuten auf dem heißen Grill ist dieser saftige Hochgenuss bereit, verzehrt zu werden. Ähnliches kann mit einer Europäischen Auster kaum gelingen. Ihre Schalenhälften sind einfach zu flach dafür, da sie hinsichtlich ihres natürlichen Schalendesigns kein nennenswertes "Töpfchen" bieten, in dem sich das Fleisch und der "Saft" sammeln können. Schon wenige Minuten derartig intensiver Hitze bringt lediglich ausgetrocknetes (und in der Folge zähes) Austernfleisch.

Viele Anthropologen vertreten die einleuchtende These, dass es mehrere Gründe gab warum Austern und andere Muscheln von den Urvölkern als Nahrungsmittel bevorzugt wurden. Die Jagd nach Wild war wesentlich schwieriger (und mitunter weit gefährlicher) als das Aufsammeln der Schalentiere. Ebenso war die Jagd im Gegensatz zum Muschelsammeln viel abhängiger vom Wetter und der Saison. Auch war die Jagd weitgehend die Aufgabe der Männer. Beim Aufsammeln von Austern und anderen Meeresfrüchten hingegen konnten sich Frauen, Männer und sogar Kinder gefahrlos beteiligen. Für den anschließenden Verzehr waren zudem nur einfache Steinwerkzeuge erforderlich.

Heute wissen wir genau, was bereits diese Urmenschen "unwissenschaftlich" erahnt haben dürften: Die unscheinbaren Austern besitzen einen unglaublichen Nährwert. Zwar bestehen sie zu etwa 80% aus Wasser, jedoch bilden die restlichen Nährstoffe ein wahres Kraftpaket, welches vor hochwertigem Eiweiß, Kohlenhydraten, Mineralstoffen und vielen Vitaminen nur so strotzt. Notfalls hätten die Urmenschen allein vom Verzehr der Austern lange überleben können.

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Die Geschichte der Austernkultivierung des 20. Jahrhunderts bis heute wie auch ihre Pioniere können Sie hier einsehen: Austernkultivierung

Die amerikanische Austerngeschichte können Sie unter USA einsehen.

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