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Die Perltaucher
John McCabe

Der Alltag der Perltaucher war grausam. In einem großen Kanu oder sonstigem meerestauglichen Transportmittel wurden allgemein ca. ein halbes Dutzend Perltaucher unter der Aufsicht eines sogenannten "Majordomo" morgens zur Tauchzone befördert. Hier tauchten die Indianer unablässig bis abends nach Perlaustern. Bei jeder Wetterlage wie auch auch im Winter mußten die Indianer tagtäglich tauchen. Die Austern wurden von ihrem Sitz am Meeresboden mit einem Messer weggebrochen und dann an Bord gebracht. Sobald genug Perlaustern vorhanden waren, wurden sie geöffnet und geprüft, ob Perlen enthalten waren. Obwohl die Perlaustern der Küstengebiete Venezuelas sehr zuverlässig über viele Jahrzehnte hinweg enorme Mengen Perlen produzierten, bedurfte es manchmal auch mehrere hundert Perlaustern, um nur eine handelstaugliche Naturperle zu finden. Gleichzeitig kam es auch vor, daß eine Perlauster mehrere Perlen enthielt.

Da Perlaustern kulinarisch gesehen unbedeutend sind, wird heute ihr Fleisch oft der Viehzucht zugeführt. Damals galt ihr Fleisch als bedeutender Bestandteil der Ernährung der Sklaven. Als Perlaustern in seichteren Gewässern durch Überfischung zunehmend knapp wurden, wurde es als notwendig angesehen, die Perltaucher in immer tieferen Gewässern einzusetzen. Letztlich waren ca. 15 m Wassertiefe kaum ungewöhnlich. Die indianischen Perltaucher hyperventilierten vor einem tiefen Tauchgang. Traditionell sangen sie öfters ein Lied vor dem Tauchen, um diesen Zustand zu bedingen. Da derartige Tiefen jedoch extrem waren, wurde die Praxis der Gewichtung der Taucher eingeführt. Ein Taucher hängte sich zwei seilverbundene Steine um den Hals oder um die Beine. Sobald er eine oder mehrere Perlaustern am Meeresboden in seinen Besitz gebracht hatte, legte er die Steine ab und eilte zur Meeresoberfläche. Ebenso wurden auf größeren Booten manchmal gewichtete Holzrahmen genutzt, in welche sich ein Perltaucher stellte und anschließend in die Tiefen versenkt wurde.

Erschöpfung, Kälte, Haifische, mangelhafte Ernährung und Krankheiten bedingten eine sehr hohe Sterbensrate unter den Perltauchern. Zunehmend wurden die menschenverachtenden Umstände der Perltaucher in Amerika (bzw. dem vermeintlichen "West-Indien") auch in Europa bekannt.

Unter den Spaniern, welche den neuen Kolonien Spaniens Fuß fassten, war ein Mann namens Bartolomeo de Las Casas. Als Mitglied des Dominikanerordens war er als Jurist tätig. Er war ebenso Landbesitzer und besaß eine Goldmine, welche von Indianersklaven bearbeitet wurde.
Im Gegensatz zum überwiegenden Rest der spanischen Eroberer behandelte er seine Sklaven jedoch human. Später setzte er sich tatkräftig für die Rechte der Indianer sowohl in den Kolonien wie bei der Krone in Spanien ein. Seine Bemühungen fruchteten letzlich, als 1516 der spanische König Karl (später Kaiser Karl V) ein Gesetz verabschiedete, welches - zumindest auf Papier - den Spaniern in den Kolonien untersagte, die Indianer wie bisher zu Tode zu arbeiten. Ebenso war es verboten, das Leben der Perltaucher übermäßig zu gefährden. Einen freien Indianer zum Perltauchen zu zwingen konnte die Todesstrafe bedingen. Ebenso sollte für angemessene Kleidung, Unterkunft und Nahrung gesorgt werden. Sogar etwas Wein sollte einem Perltaucher nach dem Arbeitstag zur Verfügung gestellt werden. Das Leben eines Indianers sollte fortan als wertvoller als der womögliche Perlen- und Goldschatz gelten.
Das neuentdeckte Amerika war jedoch weit entfernt von Spanien. Das neue Gesetz zum Schutz der Menschenrechte der Indianer fand dort in der Praxis nur geringfügige Beachtung. Die rücksichtslose Ausbeutung der Eingeborenen setzte sich fort.

1520 erlaubte der spanische König Karl I., in Venezuela eine Modellkolonie nach seinen Vorstellungen einzurichten. Das Unternehmen scheiterte jedoch im Jahr 1522 durch das Eingreifen einer Sklavenjägerexpedition. Nach diesem Fehlschlag wirkte er als Priester in Mexiko, Nicaragua, Peru und Guatemala. 1542 wurden auf seine Veranlassung hin von der spanischen Krone schließlich Schutzgesetze erlassen, die die willkürliche Folterung und Tötung von Indianern verboten. Diese Gesetze wurden jedoch ebenfalls nicht durchgesetzt.

Als 70-Jähriger wurde er letzlich im Jahre 1544 zum Bischof von Chiapas ernannt (der heutige mexikanische Bundesstaat Chiapas im Südosten Mexikos), wo er die Gesetze durchsetzte. Er hatte sich inzwischen jedoch viele Feinde geschaffen. Bartolomeo de Las Casas war inzwischen mit seinen menschenrechlichen Bemühungen ein Dorn im Auge der wirtschaftlichen Interessen vieler einflußreicher Conquistadores. Nachdem er in Madrid verleumdet wurde, folgte bereits 1545 die Aufhebung der menschenrechtlichen Gesetze. 1547 kehrte er nach Spanien zurück und setzte auch dort seine menschenrechtlichen Bemühungen für die Indios fort. Letzlich starb er im Jahre 1566 im Dominikanerkloster Santa Maria de Atocha in Madrid.

Manche Historiker sind heute der Ansicht, daß seine bemerkenswerten Bemühungen die Indios damals vor der vollständigen Ausrottung durch die Spanier (und Portugiesen) bewahrt haben könnten.

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