Die Goldgräber
John McCabe

Im Winter des Jahres 1848 ging an der Ostküste der Vereinigten Staaten das Gerücht um, dass in Kalifornien Gold leicht zu finden sei. Kaum jemand beachtete derartige Gerüchte. Als jedoch Präsident James Polk dieses Gerücht höchstpersönlich bestätigte, brach 1849 das Goldfieber aus. Der berühmtberüchtigte "Gold Rush" hatte begonnen! Unmittelbar darauf wurde Kalifornien von Goldgräbern überschwemmt. Sie wurden auch als "forty-niners" ("49ers") bezeichnet, weil sie sich 1849 aus ihrer Heimat nach Kalifornien aufgemacht hatten. Es gab tatsächlich Unmengen Gold in Kalifornien. Insbesondere die Wirtschaft der kalifornischen Hafenstadt San Franzisko blühte daraufhin kurzfristig immens auf. Die Stadt war das Zentrum der "Goldgräber-Kultur". Für Gold war alles zu haben - von Champagner bis Austern. An der Westküste der Vereinigten Staaten ist die eher kleine Olympia-Auster ("Ostrea lurida") beheimatet. Sie ist der Europäischen Auster sehr ähnlich und gilt noch heute als außerordentlich schmackhafte (und teuere) Delikatesse. Bereits 1851 waren die natürlichen Vorkommen dieser Auster in der San Franzisko Bay erschöpft. Der Blick war sodann gen Norden in Richtung der Territorien Oregon, Washington und British Columbia gerichtet. Dort gab es noch reichlich Olympia Austern. Austernfischern in diesen Gegenden brachte ein Korb Olympia Austern 1853 einen Gold-Dollar. Derselbe Korb Austern brachte nach dem Transport auf großen Austernschonern am Umschlagplatz in San Franzisko zehn Dollar. Ein Austernliebhaber zahlte letztlich im Restaurant einen Silber-Dollar pro Auster.

Ein merkwürdiges Austerngericht wurde unter den Goldgräbern hoch beliebt: Der "Hangtown Fry". Dabei handelte es sich um eine gebratene Mischung aus Speck, Eiern und Austern. Eine Legende behauptet, dass ein chinesischer Koch dieses merkwürdige Rezept erfunden habe. Einer anderen Sage nach, bestellte sich ein zu Tode verurteilter Sträfling diese Mischung als letztes Mahl, weil er genau wusste, dass sich die Zutaten dafür in einer typischen Goldgräberstadt nicht ohne weiteres finden lassen dürften. Er hoffte, dass ihm dieser Umstand zusätzliche Zeit vor dem Gang zum Galgen bescheren würde.

Als die Eisenbahn in den 70er Jahren endlich die Westküste erreichen konnte, wurden viele Amerikanische Austern von der Ostküste nach Kalifornien transportiert. Die Amerikanischen Austern waren entweder nach dem langen (und teueren) Bahntransport großteils halbtot oder eben in Konservendosen eingekocht. Alle Versuche der Kultivierung der Amerikanischen Auster an der Ostküste scheiterten, da sie sich in den Gewässern der Westküste vermehrte. Sie überlebte jedoch lange genug in den westlichen Gewässern, um letztlich einen bedeutendes Handelsvolumen zu bedingen. Große Bestände wurden in privaten Austernparks in Kalifornien, Oregon und Washington für den Markt bereitgehalten. Diese privaten Parks fielen öfters Austernpiraten zum Opfer, welche sich in Nacht und Nebel mit ihren schnellen Schonern einschlichen, dann in kleinen Booten zu den privaten Austernbänken ruderten, die Ebbe abwarteten und Säcke mit Austern füllten. Sobald die Flut ihre nun schwer mit Austern beladenen Boote hob, kehrten sie in Windeseile zu ihren Schonern zurück und verschwanden spurlos in der Nacht. Der berühmteste Austernpirat war der bekannte Schriftsteller Jack London, welcher als junger Mann mit seinem Schoner "Razzle Dazzle" ein kleines Vermögen "verdiente".

Um 1900 war der Goldrausch längst Vergangenheit ebenso wie die Olympia Auster, die nahezu ausgerottet war. Bis auf wenige Ausnahmen (vornehmlich im, bis 1889 noch als "Territorium" bekannten Staate Washington) gingen die Austenfischereibetriebe der Westküste Pleite. Die prominenten Meereskost Großhändler in Seattle und San Franzisko waren überwiegend auf Austernlieferungen aus den Oststaaten angewiesen. Die Austernvorkommen der Westküste waren versiegt.


* USA
** Die Westküste
*** Die Goldgräber

** Die Ostküste
*** Die Nordstaaten
**** Fallstudie: Chesapeake Bay
**** Ein chinesischer Immigrant namens Ariakensis

*** Die Südstaaten

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