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Die Ankunft der Zuchtperlen
John McCabe

Die Zuchtperlen eroberten den Perlenmarkt des 20. Jahrhunderts. Dabei handelte es sich anfangs um Zuchtperlen aus Japan. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts blühte die Perlenindustrie zusätzlich in chinesischen, australischen und ozeanischen (Polynesien, Melanesien, Mikronesien) Küstengewässern auf - oft unter der Leitung begabter japanischer Fachleute.

Die Japaner werden oft irrtümlich für die Erfinder der Zuchtperlen gehalten. Der Grund mag darin liegen, dass Zuchtperlen vor der japanischen Perlenproduktion so gut wie unbekannt waren. Bereits im 5. Jahrhundert n. Chr. wurden jedoch in China so genannte "Buddha-Perlen" in Süßwassermuscheln (Miesmuschelarten wie z.B. "Hyriopsis cumingii") gezüchtet. Dabei handelte es sich um in die Muscheln eingefügte kleine Buddha-Figuren aus Elfenbein, Gips oder Blei, die mit der Zeit durch Perlmutt beschichtet wurden. Dem berühmten schwedischen Naturwissenschaftler Linné (1717-1778; auch al Linnaeus bekannt) war es schon im Jahre 1758 gelungen, mit einem T-förmigen Silberdraht einen Kern aus Gips in eine Süßwasser-Miesmuschel ("Unio pictorum") einzufügen, um runde Perlen zu züchten. Später verkaufte er das patentierte Verfahren. Das Patent wurde jedoch nie praktisch eingesetzt und geriet in Vergessenheit.

Auch im 19. Jahrhundert verstanden sich mehrere Länder (und Kolonialgebiete) auf die Produktion von Zuchtperlen. So führte Sachsen bei einer Fischerei-Ausstellung 1880 in Berlin seine Zuchtperlen vor. Man hatte sie auf Basis kleiner eingefügter Muschelkugeln in der Europäischen Flussperlmuschel ("Margaritifera margaritifera") geschaffen. Es dürfte als gesichert gelten, dass die europäischen Zuchtperlenmethoden auch japanischen Naturwissenschaftlern bekannt waren, zumal die Beschaffung jeglichen westlichen Wissens eines der Hauptanliegen der "Meiji Restauration" unter Kaiser Meiji (1868-1912) war. Ein Schweizer Konsulat wurde bereits in 1864 in Yokohama gegründet. 1874 wurde in Kobe das "Kaiserlich Deutsches Konsulat in Hyogo und Osaka" eingerichtet. Über hundert deutsche Handelsschiffe steuerten Japan bereits Ende des 19. Jahrhunderts regelmäßig an.

Obwohl die Japaner die Zuchtperlen nicht erfunden haben, gelang es ihnen als Erste in der Weltgeschichte, große Mengen hochwertiger Zuchtperlen zuverlässig zu produzieren und weltweit zu günstigen Preisen (im Vergleich zu den Naturperlen) erfolgreich zu vermarkten. Federführend war um 1900 der Sohn eines Nudelmachers mit Namen Kokichi Mikimoto. Zusammen mit seiner tüchtigen Frau Ume experimentierte er bereits Ende des 19. Jahrhunderts mit Zuchtperlen. Nach vielen Fehlschlägen gelangen es ihnen zu guter letzt Halbperlen ("Mabe-Perlen") zuverlässig an Hand eines komplexen Verfahrens zu produzieren. Das Verfahren ließ Mikimoto im Jahre 1896 patentieren.

Der Zimmermann Tatsuhei Mise und der staatliche Biologe Tokichi Nishikawa entwickelten wenige Jahre später, angeblich unabhängig voneinander, ein wesentlich einfacheres Verfahren, das zu runden Zuchtperlen führte. Nishikawa hatte, laut der Perlen-Historikerin Joan Younger Dickinson ("The Book of Pearls") offenbar Mikimotos Tocher Mitte der 90er Jahre des 19. Jahrhunderts geheiratet. Mise erhielt als Erster ein japanisches Patent auf das neue Zuchtperlenverfahren. Als Nishikawa dann ebenfalls ein Patent anstrebte, merkte er, dass Mise bereits dieselbe Methode angemeldet hatte. Es bestand offenbar auch eine Verbindung zwischen Mises Vater und Nishikawa. Dies lies den Vorwurf des Verrats von Betriebsgeheimnissen im Raum stehen. Die Beiden einigten sich jedoch und das Verfahren wurde fortan als die "Mise-Nishikawa-Methode" bezeichnet (siehe Beschreibung der Methode unter Mantellappen). Mikimoto gelang es mit seiner wesentlich umständlicheren Methode bereits in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts runde Zuchtperlen zu produzieren. Ein Bericht des amerikanischen New York Herald vom 9. Oktober 1904 bestätigt dies sogar. Einer der Berichterstatter in Japan hatte die runden Perlen bereits gesehen und die Zeitung über die Sensation informiert. 1916 erhielt Mikimoto ein erweitertes Patent auf Basis seiner ursprünglich patentierten Methode. Es dürfte ihm jedoch klar gewesen sein, dass die Mise-Nishikawa-Methode einen klaren Wettbewerbsvorteil besaß. Kurz darauf lizensierte er die Rechte zur Mise-Nishikawa-Methode und stellte seine Produktion weitgehend auf diese Methode um. Mikimoto konnte nun ungehindert sein langjähriges Know-How mit beiden Methoden der Perlenzucht vermählen. Wenige Jahre später erschien bereits eine größere Menge seiner hervorragenden Zuchtperlen im internationalen Handel. Mikimoto arbeitete unermüdlich am globalen Marketing seiner Lieblinge. Er ließ seine Zuchtperlen in prachtvolle Schmuckstücke einarbeiten, die dann auf mehreren Weltausstellungen bewundert werden konnten. Geschäftstüchtig versandte er Muster an Perlenhändler in aller Welt. Schon in den späten 20er Jahren war die Kunde der "Mikimoto-Perlen" in aller Munde und erreichte Perlenhändlern weltweit.

Mikimotos günstige Zuchtperlen konnten sich problemlos mit den handelsüblichen Naturperlen messen. Sowohl ihr Lüster (die Brillanz der Oberfläche) wie auch ihr Orient (der "Innenglanz" bzw. die "innere Glut") ließen nicht den geringsten Zweifel aufkommen, dass es sich um eine echte Perle handeln muss. Dies führte jedoch nicht nur zu Begeisterungsstürmen, sondern erregte auch einen erheblichen Argwohn bei vielen Naturperlenhändlern. Sie sahen darin eine Gefahr für ihren kolossalen Perlenmarkt. Bald war von "Fälschungen", "Faux-Pearls" und "Fakes" die Rede. Der Absatz im großen US-Markt wurde 1929 durch den berüchtigten amerikanischen Börsenkollaps ("Stock Market Crash of 1929") gebremst. 1930 kam der große "Pearl-Crash". Banken verweigerten plötzlich Darlehen an Perlenhändler. In der Folge stürzten die Handelspreise um ca. 85% ab. Danach (bis ca. 1933) herrschte in USA Arbeitslosigkeit und Armut. Es gab so gut wie kein Geld für Zuchtperlen (geschweige Naturperlen). Inzwischen wurde Mikimoto vom Europäischen Perlen-Syndikat verklagt. Dies rief mehrere prominente amerikanische Wissenschaftler auf den Plan, Mikimotos Perlen eingehend auf "Echtheit" zu überprüften. Letztlich war man sich einig, dass es sich nicht um Fälschungen handelte, da die Konsistenz, die Farbe, der Lüster und der Orient gleich dem einer Naturperle waren. Der einzige Unterschied, so die Wissenschaftler, lag in der zufälligen statt gezielten Einführung eines Fremdkörpers in eine Perlauster. Zudem hatte Mikimoto von Anfang an seine Perlen als Zuchtperlen bzw. "cultured pearls" im Handel qualifiziert und nie behauptet, dass es sich um Naturperlen handelte. Mikimoto hatte sich nun auch rechtlich durchgesetzt und die letzten Hürden für den Zuchtperlenhandel beseitigt. Bis zum 2. Weltkrieg florierte das Zuchtperlengeschäft unaufhaltsam. 1938 soll es in Japan schon über 300 Perlzuchtbetriebe gegeben haben, welche über 10 Mio. Zuchtperlen produzieren konnten.

Kokichi Mikimoto verstarb 1954 im Alter von 96. Er ist heute weltweit als "Vater der Zuchtperlen" berühmt.

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